Auf Schneetour im finnischen Nationalpark Oulanka

Nach mehreren Wintertouren in den Alpen, wollte ich nun etwas anspruchsvolleres machen. Nach einiger Zeit fand ich ein Gebiet was mir gefiel. Wo der Polarkreis die finnisch- russische Grenze schneidet, hoch im Norden liegt der Oulanka National-Park. Die sogenannte Bärenrunde (Karunkierros) verläuft von Nord nach Süd durch das ca. 270 km² Gebiet.

Finnland: Oulanka National-Park im Februar 2007

Im Sommer ist einer Oulanka einer meistbesuchten Nationalparks Finnlands und für Anfänger geeignet. Im Winter hingegen kann man froh sein wenn man auf dem über 90 km langen Trail überhaupt jemanden zu Gesicht bekommt. Durch das kontinentale Klima fallen die Temperatuen hier im Winter bis unter – 40 Grad was genau die Herausvorderung war die ich suchte.

Vorbereitung

Da sich schnell herausstellte, dass ich wohl oder über alleine losziehen musste fing ich mit der Plannung sehr früh an um auf wirklich alles vorbereitet zu sein. Meine größte Sorge waren natürlich Erfrierungen darum interessierten mich besonders Methoden die dazu beitragen würden mich warm zu halten. Begriffe wie z.B Vapor-Barrier-Liner, Windchill-Faktor, Multi-fuel-stove und FillPower waren für mich neu und scheinbar sehr wichtig für eine Wintertour unter solchen Bedingungen. Nachdem ich informiert war kaufte ich mir also den dicksten Schlafsack dem ich kriegen konnte, einen dicken Dauenparka, Schneeschuhe, einen Benzin-Kocher und nahm Kontakt mit jemandem in Finnland auf der mir einen Gepäckschlitten (Pulk) leihen konnte. Letztlich war ich mir sicher, dass ich es warmen Fusses überstehen würde.

Die Anreise

Anfang Februar ging es los. Es ist zwar sehr dunkel zu dieser Jahreszeit aber als Student muss man sich eben nach den vorlesungsfreien Zeiten richten. Mir blieben immernoch knappe 6 Stunden Tageslicht und eine gut funktionierende Kopflampe. Von Mannheim(ca.10 Grad) ging es mit dem Bus nach Hahn(7 Grad) von dort aus per Billigflieger nach Tampere(-8 Grad). Hier besorgte ich mir bei der vorher recherchierten Adresse gereinigtes Benzin und nahm den nächsten Bus nach Oulu (-18 Grad). Hier, 20 Stunden später und knapp 30 Grad kälter, stand ich nun am Bahnhof und musste drei Stunden warten bis der Bus mich nach Kuusamo bringen würde. Ich war Müde und es war kalt, ich fror, Mist. Im Kuusamo noch einmal umsteigen nach Ruka wo ich mich mit Mati traf um dem Pulk abzuholen. Nach einem Kaffee und kurzer Unterhaltung erfuhr ich, dass ich dieses Jahr erst der fünfte sei der die Route läuft. Alle heil angekommen, gute Laune bei mir!

Die Bärenrunde

Nachdem Mati mich ohne zu fragen ins Auto gepackt hatte und mich zu meinem Ausgangspunkt gefahren hatte, machte er mich mit dem Pulk vertraut und verließ mich dann grinsend mit den Worten, „ Beware of the wolves“. Ich wusste er scherzt trotzdem machte ich mir Gedanken wie lange es wohl dauern würde die Magnesium Fackel auf meinem Schlitten zu ziehen.

Ich war recht müde von der Anreise und als ich nach einer Stunde beschloß mein Lager aufzuschlagen war die Sonne auch schon im Begriff unterzugehen. Es wurde mir sehr schell sehr kalt und ich war froh über meine riesige Daunenjacke. Alles dauert länger in dieser Kälte und diesen Schneemassen. Winterheringe im Schnee eingraben, Schnee schmelzen, ein Feuer machen. Als ich nach einem Heißen Abendessen in Schlafsack krieche zeigt der Thermometer – 32 Grad. Meine erste wirklich kalte Nacht im Zelt.

Am Morgen fühlt nich mein Gesicht komisch an aber es geht schnell vorbei. Ich bemerke eine dicke Eiskruste rund um die Öffnung meines Schlafsacks. Während der Nacht ist mein Atem direkt als er auf den Stoff des Schlafsacks traf gefroren, ich mehme mir vor morgen kontrollierter zu atmen.

Der Pfad führt mich entlang verschneiter Seen und immer weiter in den Wald hinein. Es ist für mich ungewohnt ohne Rucksack unterwegs zu sein und einen Schlitten hinter mir her zu ziehen aber ich freunde mich schnell damit an. Auf geraden Strecken ist es wirklich eine erleichterung. Einen Nachteil hat der Schlitten wenn es viel bergauf – und ab geht. Ich hätte ihn oft gerne gegen meinen Rucksack eingetauscht. Der dichte Mischwald will kein Ende nehmen und so wandere ich 2 Tage bis ich endlich den Oulankajoki (Fluss) erblicke. Über zugefrorene Hängebrücken überquere ich reißende Bäche und sehe die ersten Rentiere. Kompass und Karte sind jetzt ständig im Gebrauch ich will mich nicht verlaufen und wertvolles Tageslicht verbrauchen. Ich genieße die Stille und die schöne Landschaft als ich jedem Tag aufs neue dem Fluss in einigem Abstand folge. Alles ist wie gezuckert und das einzige was ich höre sind meine Schneeschuhe die mich über den Tiefschnee tragen. Es ist etwas wärmer geworden mein Therometer Zeit nur noch 18 unter Null.

Die großen Seen und Tunturi

Am fünften Tag führt mich mein Pfad weg vom Fluss und es wird bergiger. Ich verfluche den Schlitten. Abends finde ich eine Hütte und freu mich über einen Holzofen und Plusgrade. Die Hütte ist geräumig und ich trockne alle meine Gefroren Klamotten, Wasche mich mit heißem Wasser vom Ofen und entspanne mich, die letzten Tage waren kräftezehrend. Nun öffnet sich die Landschaft und ich kürze über große Seen ab um nicht im Wald laufen zu müssen. Eine tolle Erfahrung auf einem riesigen zugefrorenen See zu stehen, diese Weite. Ich hatte mich vorher natürlich erkundigt und mir wurde eine minimale Eisdicke von 40 cm versichert. Teile der Weges sind nun von Schneemobilspuren versehen. Ich komme gut voran aber es ist mit – 28 Grad tagsüber so kalt das sogar meine Wimpern einfrieren. Es geht die nächsten zwei Tage immer etwas bergauf und ich erblicke vor meiner letzten Nacht eine Hütte auf einem Tunturi in der Nähe (ein Tunturi ist etwa 500-900 Meter hoch und hat am gipfel keine Bäume). Nach dem schweren Aufstieg im Tiefschnee nehme ich die Hütte in Beschlag, schreibe mich in das Hüttenbuch und schieße Fotos bis der Akku leer ist. Es war eine aufregende und zugleich beruhigende Erfahrung 8 Tage in Finnlands kalter Wildnis zu verbringen. Als ich im Bus zurück nach Oulu sitzte reflektiere ich die vergangene Woche und denke mir: Hier war ich nicht zum letzte mal!

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Geschrieben von Christian Tubach am 16. März 2007 | Abgelegt unter Touren,Winter