Pure Wildnis im Sarek Nationalpark
Nachdem wir unseren ersten Teil der Skandinavien-Trekkingtour mit Norwegen beendet hatten, entspannten wir uns erst ein paar Tage auf dem Campingplatz im Tafjordgebirge und machten uns dann auf in den hohen Norden. Dort, am Polarkreis auf der schwedischen Seite befand sich unsere nächstes Ziel: Der SAREK Nationalpark.
Dieser wurde vor 10 Jahren unter Trekkern noch als die letzte Wildnis Europas bezeichnet. Dieses Gebiet wird im Westen vom Padjelantaleden und im Osten vom Kungsleden begrenzt. Unser Plan sah zunächst vor von Gällivare nach Kvikkjokk zu fahren um dann die Sarek – Normalroute von Süden nach Norden zu gehen. In Gällivare wurde unsere congeniale Planung aber aufgrund von Fahrplanabweichungen über den Haufen geworfen. Wir verpassten den Bus ins vier Stunden entfernte Kvikkjokk um 15 Minuten. Mit ein paar Schweden kammen wir auf die Idee, den bereits wartenden Bus nach Kebnats zu nehmen, weil wir sonst einen ganzen Tag hätten warten müssen. Unsere neue Idee sah also vor, von Kebnats aus dem Kungsleden in Richting Süden zu folgen und dann unsere ursprüngliche Tour weiterzuführen. Gesagt, getan!
Der Kungsleden
Nach einer dreistündigen Fahrt auf holprigen Schotterstraßen erreichen wir Kebnats. Wer nun eine kleine Stadt erwartet, liegt falsch. Kebnats besteht mehr oder weniger aus einen Bootsanleger und einer Fjellstation. Nach der Seeüberfahrt füllen wir unsere Flaschen mit klarem Seewasser und brechen auf in Richtung Süden. Dieser Teil des Kungsleden gestaltet sich sehr einfach. Ein breiter Weg der teilweise mit Holzdielen ausgelegt ist um Sumpfstücke zu überbrücken. Eine weite Ebene, die rechts von einer steilen Wand flankiert wird.Wir folgen diesen Pfad drei Tage lang.
Der Skierffe
Am dritten Tag erreichen wir Aktse, das Tor zum Sarek. Von hier aus kann man den berühmten Skierffe besteigen. Ein sehr markanter Berg am Nordufer der Rapadalendelta. Kennzeichnend für diesen Berg ist seine etwa 700 Meter hohe Südwand. Als wir oben sind eröffnet sich uns eine atemberaubende Sicht. Unter uns das Rapadalendelta und der Sarek Nationalpark. Das Licht bricht sich in den dunklen Wolken und erzeugt ein Schauspiel von Farben und Effekten. Ich beschließe, dass dies einer der schönsten Momente ist, den ich je gesehen habe. Wir legen uns mit dem Kopf nach vorne an die 700 Meter tiefe Klippe und beoachten wie sich das Wasser unvorstellbar langen Mäanderen seinen Weg durch das Delta sucht und die verblüffendsten Formen erzeugt. Wir kochen auf dem Gipfel und schlagen unser Zelt etwa 300 Meter unterhalb des Berges auf. Morgen, SarekJ!
Der Sarek
Wir werden dem Rapadalen die nächsten drei Tage in nord – westlicher Richtung folgen. Die Moskitos sind hier sehr aufgeweckt und zahlreich. Wir schätzen teilweise um die 700 bis 1000 im Vorzelt. Wir hoffen, dass es besser wird wenn wir den Urwald am Fluss verlassen und auf die Hochebenen des mittleren Sareks kommen. Der Weg entlang der Flusses ist schmal, matschig und führt teilweise durch Sümpfe die ohne sehr hohe Stiefel kaum trocken zu bewältigen sind. Zudem sind zu dieser Jahreszeit die Zuläufe noch gewaltig und wir müssen häufig Furten, was viel zeit in Anspruch nimmt. Das Wetter ist bis auf sehr kurze Schauer sonnig. Endlich erreichen wird den Anstieg der die Hochebene ankündigt und sind erleichtert. Durch die massen am Moskitos mussten wir das Gehtempo stets sehr hoch halten um nicht völlig zerstochen zu werden. Wir waren zwar ausgerüstet mit stichsicheren Hosen, Kopfnetzen und OFF aber 100% geschützt waren wir nie. Nach dem Anstiegbietet sich uns ein vollkommen anderes Bild, vor uns liegteine Hochebene mit einem zugefrorenen See. Wir beschließen zu Zelten. Am nächsten Tag geht es immer am See entlang über schroffe Felsen und Schneefelder. Am Westende der Ebene blicken wir hinunter auf ein langes Tal dessen Fluss unseren weitern Weg markiert. Der Abstieg ist steil und kräftezehrend. Zudem hat der Wind aufgefrischt und drückt unaufhörlich Richtung Abhang. Wir suchen sobald es geht Schutz hinter einem haushohen Findling. Eine Tomatensuppe später sind wir wieder motiviert und ziehen weiter.
Am nächsten Tag steht wieder das Furten auf dem Plan. Alle Zuflüsse sind reisende Bäche und nur seichten Stellen oder mit Schneebrücken zu passieren. Die nächsten zwei Tage folgen wir dem Flüss um dann nach Norden in ein weiteres Tal zu wandern. Es geht immer höher und die ersten Rentierhelden passieren uns und zeigen uns manchmal wo der nächste Zulauf am besten zu überqueren ist. Ein tolles Erlebnis Tiere in ihrer natürlich Umgebung zu beobachten. Wir wandern noch einige Tage am Fluss entlang bis wir schließlich wieder auf Wald und Sumpf treffen. Nun ist der Padjelantaleden nicht mehr weit, das letzte Stück und somit das Ende des Sareks. Als wir den Padjelantaleden erreichen machen wir Feuer und backen Stockbrot. Die letzten Konserven werden verzehrt, wir brauch sie nicht mehr zu tragen. Nach ein paar Stunden auf dem befestigt erscheinenden Weg stehen wir am Bootsanleger und warten auf unser Schiffund rauchen unsere Siegeszigarre.
Wir haben den Sarek gemacht!
Von Christian Tubach
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