Alpenüberquerung 2009

Dieses Jahr wollten wir es bei unserer großen Sommertour ein wenig gemütlicher angehen lassen. Nachdem Schottland und Griechenland aus dem Rennen waren, entschieden wir uns dafür, die Alpen zu überqueren. Unsere Tour sollte uns in 13 Etappen, immer von Hütte zu Hütte, von Oberstdorf im Allgäu bis nach Bozen in Südtirol führen. Als grobe Orientierung verwendeten wir bei der Plannung  Teile des E5 Weitwanderweges und des Meraner Höhenweges.

Alpenüberquerung

Route: Von Oberstdorf nach Bozen

Zeit: 14 Tage

Entfernung: Über die Alpen

Schwierigkeit: mittel

Stationen: Oberstdorf – Fastenoy – Waltenberger Haus – Kemptner Hütte – Holzgau – Memminger Hütte – Zams – Schihütte Zams – Wenns – Mittelberg – Braunschweiger Hütte – Zwieselstein – Vent – Martin Busch Hütte – Similauen – Katharinaberg – Padleidhof – Giggelsberghof – Bockerhütte – Meran – Hirzer Hütte – Hirzer – Meraner Hütte – Jenesien – Bozen.

Pro: Mitte Juni sind noch nicht viel Leute unterwegs, wunderschöne Ausblicke, gute Beschilderung, optimale Bahnanbindung

Contra: Hohe Preise auf  privaten Hütten, teilweise sehr viele Wanderer unterwegs (vor allem E5)

1. Etappe, Aufstieg zum Waltenberger Haus (2084m)

Uns steckt die Party anlässlich Kamil´s Geburtstag von vorgestern noch ein weing in den Knochen. Trotzdem treffen wir uns gut gelaunt um 8.00 Uhr in Karlsruhe am Hauptbahnhof und fahren mit der Bahn nach Oberstdorf. Gegen Mittag kommen wir an und nehmen den Bus nach Fastenoy. Von hier geht es bei bestem Wetter in 4 1/2 Std. die etwa 1300 Hm hinauf zum Waltenberger Haus. Wie immer ist der erste Tag komisch. Die Mischung aus überschwänglicher Motivation, praller Sonne und steilem Aufstieg lässt uns schnell erkennen, dass die nächsten Wochen anstrengend werden könnten. Um 17.00 Uhr kommen wir auf der Hütte an und genießen bei Bier und Wein die atemberaubende Aussicht. Als dann noch die Steinböcke aus ihren Verstecken hervorkommen, überlegen wir, ob uns überhaupt noch schöneres wiederfahren kann, als einen solch genialen Tagesausklang zu erleben. Das Waltenberger Haus ist alt, rustikal und “ur”gemütlich. Es gibt keinen Strom, das Wasser fließt durch die Leitungen mit geeichten 6 Grad und der nächtliche Toilettengang gestaltet sich zu einer Etappe im Irrgarten. Ein Erlebnis – ganz nach unserem Geschmack!

Gehzeit: 4,5 Std.


2. Etappe, Auf dem Heilbronner Weg zur Kemptner Hütte (1844m)

Nach Müsli und Gipfelstürmer-Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Kemptner Hütte. Es geht zunächst im strömenden Regen hinauf zur Bockkarscharte (2504m). Der Weg gestaltet sich aufgrund des trüben Wetters, das insbesondere durch Schnee – und Regenfälle kennzeichnet, sehr schwierig. Das Geröll ist nass, der Schnee weich und so wird jeder Schritt sehr bewusst gesetzt. Wir sind froh als wir oben sind und sehen, dass der Rest des Weges ein einziges Schneefeld ist. Eigentlich wollten wir heute unseren ersten Gipfel besteigen, aber wegen der schlechten Sicht entscheiden wir uns dagegen und ziehen gleich weiter zum Mädelejoch (1973m), um schließlich zur Kemptner Hütte abzusteigen (1862m). Wir sind genau vier Stunden unterwegs gewesen und sitzen schon um 12.30 Uhr bei einem Bier und spielen Karten. Ein Vorteil, wenn man früh in der Saison loszieht, ist, dass die Hütten recht leer sind und so haben wir als es gegen Nachmittag aufklart, die ganze Sonnenterasse für uns alleine.

Gehzeit: 4 Std.


3. Etappe, Kemptner Hütte (1844m) – Memminger Hütte (2242m)

Als wir morgens aufstehen sind wir noch ziemlich müde. In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter. Da wir direkt unter dem Dach unsere Lager bezogen haben, lagen wir lange wach und hatten das Gefühl, dass draußen die Welt untergehe. Morgens regnet es immer noch Bindfäden. Ab heute laufen wir den E5 Weitwanderweg. Zunächst geht es wieder hinauf zum Mädelejoch. Hier überschreitet man die Grenze zu Österreich. Der Weg hinunter nach Holzgau ist rutschig aber wir kommen gut voran. Auf dem Weg holen wir alle ein, die vor uns losgelaufen sind und finden es amüsant, unsere Bedenken über die unpassende bzw. nicht vorhandene Ausrüstung der Leute auszusprechen. Wir kommen unten heil an, nehmen ein Taxi nach Madau und beginnen um 11.30 Uhr den Aufstieg zur Memminger Hütte (2242m). Es regnet immer noch heftig aber wir sehen viele Gämsen und bestaunen den Wasserfall, an dem wir vorbei müssen. In 2 ½ Std sind wir oben und warten auf die anderen E5-Wanderer.

Gehzeit: 5 Std.


4. Etappe, Abstieg nach Zams

Heute ist das Wetter herrlich und wir machen uns gegen 9.00 Uhr startklar, um die mit 6 Stunden angesetzte Tour nach Zams gemütlich anzugehen. Zunächst geht es an einem kleinen See vorbei und dann über  Schneefelder sehr steil hinauf zur Seescharte (2600 m). Wir benötigen genau eine Stunde zur Scharte und genießen die geniale Aussicht. Im Osten tun sich die hohen Gipfel der Stubaier Alpen auf. Nun haben wir einen Abstieg vor uns der es in sich haben soll. Es geht rund 2000 Hm hinab ins Dorf Zams. Zunächst müssen wir von der Scharte 800 Hm sehr steil bis zum Ende des Lochbachtals absteigen. Danach wird der Weg angenehmer, führt durch schöne Wälder  immer am Bach entlang bis zur Nasse Platte.  Jetzt ändert sich der Weg wieder komplett. Wir laufen auf einem Pfad der in die fast senkrechte Wand gemeisselt ist. Die Temperatur auf unserer Uhr zeigt 27 Grad an, die Aussicht ist bezaubernd und neben uns geht es immer tiefer hinab. Schon auf halbem Weg nach Zams spüren wir unsere Füße deutlich und als wir schon nach 4 ½ Std ankommen, wissen wir auch wieso. In Zams kaufen wir ein und fahren mit der Venetbergbahn bis zur Mittelstation. Die Schihütte Zams bietet uns eine angenehme Unterkunft für 20 Euro mit Frühstücksbuffet. Wir verbringen den Abend mit einigen Bierchen auf der Sonnenterrasse, entspannen und bestaunen den Sonnenuntergang über den Lechtaler Alpen.

Gehzeit: 4,5 Stunden


5. Etappe, Über den Venet nach Wenns und auf zur Braunschweiger Hütte (2759m)

Die Nacht in der SchiHütte von Zams ist sehr erholsam und so kommen wir nach einem viel zu üppigen Frühstück früher los als wir dachten. Es geht zunächst in der prallen Sonne auf einer der vielen Skipisten hinauf auf den Krahberg. Als wir um 9.00 Uhr oben auf über 2000 m sind, wird uns klar, dass dies ein sehr heißer Tag werden wird. Statt über den Venet zu steigen entscheiden wir uns, auf dem Panoramaweg um den Venet herum zu gehn. So sparen wir eine Stunde während wir von Alm zu Alm Richting Wenns wandern. Besonders beeindruckt hat uns dabei die Larcher Alm. Die Hütte ist winzig, hat keinen Strom und versprüht einen urigen Charm der zum einkehren einläd. Was wir dann natürlich auch getan haben. Nach dem Bierchen in der Sonne gestaltete sich der weitere Weg hinunter nach Wenns sehr lustig. Wir scherzen, kommen schnell voran und brauchen für die Stunde Abstieg gefühlte 15 min. In Wenns treffen wir wieder auf Leute die auch auf dem E5 wandern und nehmen für 6 Euro den Bus nach Mittelberg. Dort packen wir unsere Rucksäcke in die Materialseilbahn und steigen zur Braunschweiger Hütte auf 2759 m auf. Der Weg hinauf ist sehr steil und wird mit jedem Meter anspruchsvoller. Teilweise ist es fast ein Klettersteig und der Schnee macht das ganze nicht einfacher. Die Aussicht auf den Gletscher und die umliegenden Berge entschädigen uns für die Anstrengungen und ohne Gepäck macht uns keiner etwas vor. So bewältigen wir die über 1000 Hm in nicht einmal 2,5 Stunden. Die Hütte ist fast leer, ein Lager kostet für Mitglieder stolze 13 Euro aber die Portionen sind riesig.

Gehzeit 7,5 Stunden

Similaun (3600m)

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6. Etappe, Erholungsetappe nach Vent (1900m)

Als wir aufstehen, sind wir noch fest davon überzeugt, heute einen Ruhetag einzulegen. Wir wollen den Tag gemütlich angehen lassen und nachmittags auf einige Gipfel der Umgebung steigen. Das Wetter und damit auch die Sicht sind aber so schlecht, dass wir uns dafür entscheiden doch nach Vent abzusteigen. Durch teilweise hüfttiefen Schnee geht es zunächst hinauf zum Rettenbacher Joch auf knapp 3000 m. Wir stellen mit Erschrecken fest, dass die Gondelbahn aufgrund von Wartungsarbeiten nicht in Betrieb ist. Wir steigen also durch Tiefschnee hinab zur Talstation der Gondel. Dort teilen wir uns mit anderen Bergwanderern ein Taxi. Vorbei an Hochsölden geht es hinunter nach Sölden und dann Richtung Zwieselstein. Von hier trampen wir nach Vent. Nach dieser kurzen und entspannenden Etappe kommen wir im Gasthaus Elisabeth in Vent unter. Dusche, Käsespätzle, Bett, Fernsehen – was  für ein Luxus! Das nette Hausmädchen wäscht sogar unsere Wäsche. Was will Man(n) mehr?

Gehzeit: 1,5 Stunden


7. Etappe, Hinauf zur Similaunhütte (3019m)

In einem langgezogen Tal geht es hoch hinaus zur Martin-Busch-Hütte. Der Weg ist breit und autotauglich. Nach ausgiebiger Rast geht es weiter zur Similaun Hütte auf 3019 m. Ab 2600 m liegt Schnee und uns kommen sogar Skitourengänger entgegen. Die Similauen liegt im Nebel und wir beschließen am nächsten Tag zuerst den Berg zu besteigen und dann abzusteigen. Es ist der 20. Juni 2009 , es liegt auf 3000 m noch mehr als ein Meter Schnee und es hat tagsüber um die Null Grad. Nach einem Bier und Abendessen in der gut besuchten Hütte machen wir uns auf den Weg zur Ötzi Fundstelle. Der Weg ist stark vereist und so müssen wir auf halber Strecke umkehren. Früh liegen wir im vollbesetzten Matratzenlager. Morgen sind wir nach ein paar Schritten bereits in Italien.

Gehzeit: 5,5 Stunden.


Hier geht es zu den Etappen 8 bis 14 auf italienischer Seite


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Geschrieben von Christian Tubach am 4. Oktober 2009 | Abgelegt unter Allgemein,Sommer,Touren