Alpenüberquerung 2009 – Teil 2

Lesen Sie hier den 2. Teil der Alpenüberquerung!

8. Etappe, Kontrastprogramm, Similauen (3600 m) – Padleidhof (1386 m)

Um 8.00 Uhr beginnen wir den Aufstieg auf die Similauen. Es ist bitter kalt und die Sicht schrumpft von Meter zu Meter auf unter 20 Meter. Es geht über ein großes Schneefeld in östlicher Richtung zum Sattel und dann über verschneite und vereiste Felsen zum Gipfelkreuz. Kamils erster richtiger Gipfel. 3600 m – Berg Heil! Die Sicht ist gleich Null und wir frieren bei – 6 Grad. Auf dem Weg zur Hütte folgen wir den Schneespuren von unseren Vorgängern und grob an den Jacken der Bergsteiger, die gerade auf dem Weg nach oben sind. Wieder an der Hütte  angekommen, stärken wir uns mit Kaiserschmarn und treten dann den langen Abstieg ins Tal an. Wir sind nun in Süd Tirol. Unser Ziel ist der Padleidhof am Meraner Höhenweg. Nachmittags kommen wir dort an, essen richtig deftig und trinken Weizenbier in der Sonne. Ein Tag voller Kontraste. Mittags noch frierend am Gipfelkreuz auf 3600m Höhe und abends mehr als zwei Kilometer tiefer im Tal “biertrinkenderweise” auf der Sonnenterrasse. 1000 Hm Auf – und 2300Hm Abstieg liegen hinter uns und so fallen wir erschöpft in die gemütlichen Betten unserer rustikalen Unterkunft.

Gehzeit 6 Stunden.


9. Etappe, Herzlich willkommen im Giggelbergerhof (1565m)

Der meraner Höhenweg gefällt uns zunehmend. Die Temperaturen sind angenehmer und die Wege besonders schön ausgeschildert und gut begehnbar. Wir freuen uns über die warmen Temperaturen hier auf  1500m. Der Weg führt meistens auf gleicher Höhe an der Nordflanke des Tals entlang. Das Wetter ist gut und wir kommen zügig voran. Schon gegen 14.00 Uhr kommen wir am Giggelbergerhof an und genießen die Sonne, das gute Essen und die geniale Aussicht. Es gibt sogar zwei Tischkicker, ein Grund zwei Nächte in diesem Hof einzuplanen. Mit vier Stunden Gehzeit eine sehr angenehme Übung heute.

10. Etappe, Zielspitze (3009m) – Giggelbergerhof (1565m)

Die Nacht war furchtbar. Der ältere Herr, der mit uns das Zimmer geteilt hatte, war ein Schnarcher erster Güte. Beim Frühstück entscheiden wir uns, ihn nächste Nacht zu lünchen oder das Zimmer zu wechseln. Der Schnarcher wandert  aber zum Glück weiter. Unser Tagesziel heute ist die Zielspitze (3009m). Der Berg ist nicht weit entfernt, aber der Aufstieg mit knapp 1500Hm wird es in sich haben. Nach 3,5 Stunden auf 2500m fängt es an zu schneien. Und nachdem der Aufstieg sich im Schnee ab 2900m immer schwieriger gestaltet, beschließen wir vernünftigerweise 100m unterhalb des Gipfels umzukehren und es für heute gut sein zu lassen. Um 16.00 Uhr sind wir wieder unten und die Oberschenkel brennen. Wir sind stolz auf unsere Leistung und nachdem wir die Wirtin und ihre Tochter im Tischkicker 4:3 schlagen sind auch die versagten Gipfelfreuden schnell vergessen.

Gehzeit: 7 Stunden


11. Etappe, Katzensprung zur Bockerhütte (1717m)

Heute liegt eine lange Etappe vor uns. Es geht weiter auf dem Meraner Höhenweg zur Böckerhütte. Nach der gestrigen Bergbesteigung sind wir zwar nicht all zu motiviert, aber durch gewiefte Schönung der reallen Gehzeit durch die Reiseleitung begeben wir uns um 9.30 Uhr auf den Weg. Wir sind schnell unterwegs und machen Mittags eine kurze Rast bei der Tablander Alm. Sehr rustikale Alm am Fusse des Ganderbergs. Der Weg geht ständig auf und ab. Gegen Nachmittag erreichen wir den Aufstieg zur Taufscharte. Eine sehr schweißtreibende Angelegenheit und wir sind froh, als wir endlich oben sind und hinunter zur Bockhütte schauen. Der steile Abstieg hat es nocheinmal in sich. Wir schlafen auf dem zugigen Dachboden wie zwei Steine.

Gehzeit: 8 Stunden


12. Etappe, Über das Dorf Tirol und Meran zur Hirzer Hütte (1930m)

Nach magerem Frühstück steigen wir ins Tal ab. Die Landschaft hier in Südtirol fasziniert uns. Es ist fast mediteran. Obstplantagen, Palmen und 30 Grad. Wir laufen in knapp drei Stunden ins Dorf Tirol, holen Geld und essen Pizza. Dann geht es weiter mit dem Bus nach Meran. Nachdem wir dort unsere Vorräte aufgestockt haben geht es weiter mit dem Bus nach Saltaus. Die Hitzer-Bergbahn bringt uns hinauf zur Bergstation von der wir in 15 Minuten zur Hirzer Hütte wandern. Auf der Sonnenterrasse wir zünftige Livemusik gespielt. Abends sitzen wir zusammen mit ein paar Schwaben und erzählen uns Witze und lustige Geschichten.

Abstieg von Similaun

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13. Etappe, Über den Hirzer (2780m) auf dem Gebirgsjägersteig zur Meraner Hütte (1960m)

Nach zwei Stunden hartem Aufstieg erreichen wir um 10.00 Uhr die Scharte. Nun sind es noch 200Hm bis zum Gipfelkreuz des Hirzers. Oben angekommen genießen wir die Aussicht und eine gute Brotzeit. Der Weg zur Meraner Hütte ist mit 6 Stunden angegeben und so verweilen wir nicht zu lange, begeben uns alsbald auf dem Gebirgsjägersteig in Richtung Süden. An einem wunderschönen Gebirgssee machen wir eine Pause und amüsieren uns über das Schild mit der Aufschift „ Nur für geübte Bergwanderer“. Der Weg ist sehr gut begehbar! Als wir schon nach vier Stunden die Hütte im Blick haben, zucken wir nochmals zusammen. Ein Gewitter kündigt sich mit einem Donnerschlag an. Wir rennen förmlich zur Hütte, um dem bevorstehen Regenguss zu entgehen. Kaum angekommen geht es auch schon los. Ein Gewitter wie es im Buche steht. Die Hagelkörner haben teilweise Erbsenformat. Wir essen gut und viel und sind zufrieden mit unserer heutigen Leistung. Abends spielen wir Siedler von Katan mit zwei jungen Wanderern und bekommen von einer größeren Gruppe Geschichten vom Jakobsweg erzählt.

Gehzeit: 4,5 Stunden


14. Etappe, Gemütliches Auslaufen nach Bozen

Etwas wehmütig treten wir die letzte Etappe unserer Tour über die Alpen an. Es geht immer bergab über Wiesen und durch Wälder in Richtung Süden. Mittags kehren wir im Langfallhof ein. Nun sind es noch etwa zwei Stunden bis nach Jenesien (für uns “Schienesien” =China), wo uns eine kleine Gondelbahn nach Bozen hinunter bringen wird. Die einzige Jugendherberge in Bozen ist schnell gefunden und die letzten zwei Plätze gehören uns.

Die Alpenüberquerung hat uns gerade zu dieser frühen Jahreszeit sehr viel Spaß gemacht. Wir waren oft alleine unterwegs und konnten dem Trubel, der sonst auf dieser Strecke herrscht, einigermaßen entkommen. Im Zug von Bozen in Richtung Heimat reflektieren wir noch einmal über die vergangenen zwei Wochen und sind uns sicher, dass wir eine längere Tour in den Alpen in dieser Form nicht zum letzten mal gemacht haben.

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Geschrieben von Christian Tubach am 4. Oktober 2009 | Abgelegt unter Allgemein,Sommer,Touren