Oulanka Nationalpark Reisebericht

Eisige Temperaturen im Oulanka Nationalpark

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Herrliche Schneelandschaften im finnischen Oulanka Nationalpark.

Im Sommer ist der Oulanka einer der meistbesuchten Nationalparks Finnlands und für Anfänger geeignet. Im Winter hingegen kann man froh sein, wenn man auf dem über 90 km langen Trail überhaupt jemanden zu Gesicht bekommt. Durch das kontinentale Klima fallen die Temperatuen hier im Winter bis unter – 40 Grad. Das ist genau die Herausforderung, die ich suchte.

Die Karte zeigt die Lage des Oulanka Nationalparks:

Da sich im Gespräch mit meinen Gefährten aufgrund des etwas waghalsigen Vorhabens schnell herausstellte, dass ich wohl oder übel alleine in den Oulanka NP losziehen musste, fing ich mit der Planung sehr früh an. Ich wollte wirklich alles vorbereitet sein. Meine größte Sorge waren natürlich Erfrierungen, darum interessierten mich besonders Methoden, die dazu beitragen würden, mich warm zu halten. Begriffe wie z.B Vapor-Barrier-Liner, Windchill-Faktor, Multi-fuel-stove und FillPower waren für mich neu und scheinbar sehr wichtig für eine Wintertour unter eiskalten Bedingungen. Nachdem ich mich informierte, kaufte ich mir also den dicksten Schlafsack den ich erhalten konnte, einen dicken Daunenparka, Schneeschuhe, einen Benzin-Kocher. Anschließend nahm ich Kontakt mit jemandem in Finnland auf, der mir einen Gepäckschlitten (Pulk) leihen konnte. Nach diesen Vorbereitungen war ich mir sicher, dass ich die Tour warmen Fusses überstehen würde.

Die Anreise

Anfang Februar ging es los. Es ist zwar sehr dunkel zu dieser Jahreszeit aber als Student muss man sich eben nach den vorlesungsfreien Zeiten richten. Mir blieben immer noch knapp 6 Stunden Tageslicht und eine gut funktionierende Kopflampe. Von Mannheim (ca. 10 Grad) ging es mit dem Bus nach Hahn (7 Grad) von dort aus mit dem Billigflieger nach Tampere (-8 Grad). Hier besorgte ich mir bei der vorher recherchierten Adresse gereinigtes Benzin und nahm den nächsten Bus nach Oulu (-18 Grad). Hier, 20 Stunden später und knapp 30 Grad kälter, stand ich nun am Bahnhof und musste drei Stunden warten, bis der Bus mich nach Kuusamo bringen würde. Ich war müde und es war kalt, ich fror, Mist. Im Kuusamo noch einmal umsteigen nach Ruka, wo ich mich mit Mati traf, der mir einen Pulk zur Verfügung stellte. Nach einem Kaffee und kurzer Unterhaltung erfuhr ich, dass ich dieses Jahr erst der fünfte sei, der die angedachte Route wagt. Das sorgte für gute Laune bei mir!

Die Bärenrunde

Nachdem Mati mich ohne zu fragen ins Auto gepackt hatte und mich zu meinem Ausgangspunkt gefahren hatte, machte er mich mit dem Pulk vertraut und verließ mich dann grinsend mit den Worten „beware of the wolves“. Ich wusste er scherzt, trotzdem machte ich mir Gedanken wie lange es wohl dauern würde, die Magnesium Fackel aus meinem Schlitten zu ziehen.

Ich war recht müde von der Anreise und als ich nach einer Stunde beschloss, mein Lager aufzuschlagen, war die Sonne auch schon am untergehen. Es wurde mir sehr schnell sehr kalt und ich war über meine riesige Daunenjacke froh. Alles dauert länger in dieser Kälte und diesen Schneemassen. Winterheringe im Schnee eingraben, Schnee schmelzen, ein Feuer machen. Als ich nach einem warmen Abendessen in den Schlafsack krieche zeigt mein Thermometer – 32 Grad. Meine erste wirklich kalte Nacht im Zelt.

Am nächsten Morgen fühlt sich mein Gesicht komisch an aber die Lähmung geht schnell wieder weg. Ich bemerke eine dicke Eiskruste rund um die Öffnung meines Schlafsacks. Während der Nacht ist mein Atem direkt beim Ausatmen auf dem Material des Schlafsacks gefroren; ich nehme mir vor, morgen kontrollierter zu atmen.

Der Pfad führt mich entlang verschneiter Seen und sodann tief in dichte Wälder hinein. Es ist für mich ungewohnt ohne Rucksack unterwegs zu sein und einen Schlitten hinter mir her zu ziehen aber ich freunde mich schnell damit an. Auf geraden Strecken ist es wirklich eine Erleichterung. Einen Nachteil hat der Schlitten wenn es viel bergauf – und ab geht. Ich hätte ihn in diesen Momenten oft gerne gegen meinen Rucksack eingetauscht. Der dichte Mischwald will kein Ende nehmen und so wandere ich zwei Tage bis ich endlich den Oulankajoki Fluss erblicke. Über zugefrorene Hängebrücken überquere ich reißende Bäche und sehe die ersten Rentiere. Kompass und Karte sind jetzt ständig im Gebrauch. Ich will mich nicht verlaufen und wertvolles Tageslicht verbrauchen. Ich genieße die Stille und die schöne Landschaft als ich jeden Tag aufs neue dem Fluss in einigem Abstand folge. Alles ist wie gezuckert und das einzige was ich höre sind meine Schneeschuhe, die mich über den Tiefschnee tragen. Es ist etwas wärmer geworden: Mein Thermometer misst nur noch 18 Grad unter Null.

Die großen Seen und Tunturi

Am fünften Tag führt mich mein Pfad weg vom Fluss. Es wird bergiger. Ich verfluche den Schlitten. Abends finde ich eine Hütte und freue mich über einen Holzofen und die ersten Plusgrade in der Hütte. Die Wanderhütte ist geräumig und ich trockne alle meine gefrorenen Klamotten, wasche mich mit heißem Wasser vom Ofen und entspanne mich, die letzten Tage waren nämlich ziemlich kräftezehrend.

Nun öffnet sich draußen die Landschaft und ich kürze über große tiefgefrorene Seen ab, um nicht im Wald laufen zu müssen. Eine tolle Erfahrung auf einem riesigen zugefrorenen See zu stehen, diese Weite ist unglaublich. Ich hatte mich vorher natürlich erkundigt und mir wurde eine minimale Eisdicke von 40 cm versichert. Teile der Weges sind nun von Schneemobilspuren versehen. Ich komme gut voran aber es ist mit – 28 Grad tagsüber so kalt, dass sogar meine Wimpern einfrieren. Es geht die nächsten zwei Tage immer etwas bergauf und ich erblicke vor meiner letzten Nacht eine Hütte auf einem Tunturi in der Nähe (ein Tunturi ist etwa 500-900 Meter hoch und hat am Gipfel keine Bäume). Nach dem schweren Aufstieg im Tiefschnee nehme ich die Hütte in Beschlag, schreibe mich in das Hüttenbuch ein und schieße Fotos bis der Akku leer ist.

Es war eine aufregende und zugleich beruhigende Erfahrung acht wundervolle Tage in Finnlands kalter Wildnis zu verbringen. Als ich im Bus zurück nach Oulu sitze reflektiere ich die vergangene Woche und denke mir: Hier war ich nicht zum letzte mal!

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Christian Tubach

Autor

Reiseinformationen

Reiseziel: Oulanka NP . Finnland

Lage: Nordosten Finnlands

Reisezeit: 14 Tage (Juni 2009)

Teilnehmer: Christian

Schwierigkeit im Winter: mittel bis schwer