Reiseapotheke

Leider fällt die Reiseapotheke häufig etwas mager aus, weil der Rucksack mit anderem Mist zugemüllt wird und es daher meist an Platz fehlt.

Info

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke wiegt nicht viel und kann auch kompakt gepackt werden.

Die Anwendung der Ersten Hilfe und der Reiseapotheke muss im Regelfall auf dem Berg improvisiert werden. Die Umgebung erlaubt es meistens nicht bei Idealverhältnissen zu arbeiten. Deswegen kann hier auch nie z.B. die Professionalität und Sterilität erreicht werden, wie sie beispielsweise in Krankenhäusern vorherrscht. Danach richten sich auch unsere Tipps. Sie berücksichtigen insbesondere die Besonderheiten auf Wandertouren und zeigen auch Alternativen auf. Der Wanderer weiß oftmals nicht, dass er in seinem Rucksack Materialien mit sich führt, die er in einer Notfallsituation prima einsetzen kann.

Vor der Reise sollte nicht nur die Reiseapotheke sorgfältig gepackt werden. Auch Informationen zum Reiseort und insbesondere zu den dort lauernden Gefahren für die Gesundheit sind ebenfalls wichtig. Hier sind möglicherweise im Vorfeld Schutzimpfungen (z.B. Malaria bei Reisen in Tropengebiete) empfohlen. Aktuelle Informationen zu Impfungen veröffentlicht das Robert-Koch-Institut hier. Wer auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten angewiesen ist, sollte sich einen Vorrat zusammenstellen und auch eine unvorhergesehene Verlängerung der Reise mit einplanen. Es sollten dann auch nur Arzneimittel ausgewählt werden, die sich bewährt haben und die insgesamt gut vertragen werden. Das Vorgehen sollte im Einzelnen mit einem Hausarzt abgesprochen werden.

Es sollten zudem bei der Krankenkasse Informationen eingeholt werden, ob im Reiseland ein genügender Versicherungsschutz besteht. Ein Abschluss einer Zusatzversicherung kann manchmal empfehlenswert sein. Sollte beispielsweise eine Bergung mit einem Hubschrauber erforderlich werden, so kann dies in den meisten Fällen zu einem kostspieligen Vergnügen werden. Im Vorfeld muss folglich abgeklärt werden, ob solche Bergungen von der Police abgedeckt werden!

Ausstattung einer Reiseapotheke und Möglichkeiten der Erstversorgung

Ein Beitrag von Kamil Glowatz*

* Kamil Glowatz ist 26 Jahre alt und leistete mit 18 Jahren seinen Zivildienst als Rettungshelfer beim Deutschen Roten Kreuz in der Notfallrettung (Rettungsdienst) ab. Es folgte anschließend eine Ausbildung zum Rettungssanitäter und verschiedene Einsätze und Praktika auf Lehrrettungswachen und Kliniken. Seit acht Jahren ist Kamil auch weiterhin regelmäßig neben seinem Studium in der Notfallrettung tätig. Aufgrund der mehrjährigen Wandererfahrung weiß er auch um die besonderen Gefahren, die für die Gesundheit speziell auf Wandertouren lauern können. Bei alternativroute.de ist er in erster Linie für die Erste Hilfe in Notfallsituationen zuständig und richtet je nach Reiseziel auch die Reiseapotheke ein.


1. Häufigster Anwendungsfall: Verbandszeug / Wundversorgung

 

Auf Trekkingrouten trifft man so gut wie nie auf ideale Bodenverhältnisse. Wer gerne in der Wildnis unterwegs ist, weiß, dass der Weg häufig durch unwegsames Gelände führt, Flüsse überquert werden müssen und der Abhang eines Gebirges direkt neben einem ungeschützten Weg liegen kann. Das Wandern auf solchen Wegen macht einen großen Spaß erfordert gleichzeitig aber eine hohe Konzentration, weil ein falscher Tritt mit einer erheblichen Verletzung enden kann. Deswegen ist es notwendig, ausreichend medizinische Materialien mit auf die Reise zu nehmen. Aufgrund des breiten Gebietes werden hier nur die “häufigsten” Methoden zur schnellen Versorgung dargelegt. Bei einem Sturz, wo eine Wundversorgung nötig wird empfehlen wir folgendes Vorgehen:

a) Desinfektion

Unverzichtbarer Schritt zur Wundversorgung ist die vorherige Desinfektion der Wunde, um Verunreinigungen und Bakterien erst nicht in den Körper gelangen zu lassen. Hierfür gibt es gute Mittel (Alkohole z.B. Ethanol, Isopropanol, Phenyxoethanol wie Braunol, auch für die Reiseapotheke, weil sie schnell wirken und insgesamt gut verträglich sind. Abstand sollte man zu Jod-Präparaten halten, weil sie teilweise Unverträglichkeiten und eine herabgesetzte Wirkung in Verbindung mit Blut verursachen bzw. zur Folge haben können. Die Kombination Phenoxyethanol/Octenidin wird von unserer Seite zur Desinfektion von Wunden empfohlen, weil sie nicht so stark brennen sowie farblos sind und dennoch ein wirksamer desinfizierender Effekt auch in Verbindung mit der Schleimhaut erzielt werden kann. Bei Ohrverletzungen ist von Octenidin abzuraten, da es knorpeltoxisch wirkt und sogar bis hin zum Verlust der Ohrmuschel oder einer Ertaubung führen kann.

Für kleinere Schnittwunden können sterile Wundpflaster (sog. Klammerpflaster) geeignet sein, da sie einige Tage auf der Wunde kleben bleiben, die Wunde sterilisieren, den Wundverschluss begünstigen und die Bildung von Narben verhindern können. Die Wundränder sollten hier aber sauber desinfiziert sein und zudem eine glatte Oberfläche aufweisen, da es sonst zu sog. Wundtaschen kommen kann.

b) Anlegen eines Verbandes

Verbände und Pflaster gehören zur Grundausstattung der Reiseapotheke

Verbände und Pflaster gehören zur Grundausstattung der Reiseapotheke

Bei einem etwas schwereren Sturz mit Blutausfluss und einer größeren Wunde kann man mit einem (Druck-)Verband größere Blutungen vorübergehend gut in den Griff bekommen. Eine wirksame Blutstillung kann auch vorgenommen werden, indem man die Wunde oberhalb mit einem Stück Kleidung o.a. abbindet. Goldene Regel: Nicht zu fest, da die Extremität dennoch mit Blut versorgt werden muss. Die betroffene Extremität (z. B. Bein, Arm) sollte hochgelagert werden, sodass der Blutdurchfluuss verringert wird. Sollte die Wunde direkt abgedrückt werden müssen, empfiehlt es sich, beim Verbinden ein anderes Verbandpäckchen in den Verband einzubinden, um einen Druck auf die Wunde herbeizuführen. Je nach Schwere der Verletzung oder sollte die Wunde nicht aufhören zu bluten unbedingt einen Arzt konsultieren!

Auch hier gilt: Verbände anlegen und das richtige Lagern erfordert praktische Übung! Sowas erlernt man nur, wenn man sich vorher damit beschäftigt hat – beispielsweise in einem Erste Hilfe Kurs!

c) Schienen

Muss eine Extremität z. B. bei einem geschlossenem Handgelenks-, Arm oder Beinbruch (Bruch=Fraktur) ruhig gestellt werden, dann kann das Anlegen einer Schiene sinnvoll sein, weil die Schmerzen so ein wenig gelindert werden können. Bei einer Fraktur besteht nämlich die Gefahr, dass durch unnötige Bewegung die Knochenenden aneinander reiben und so große Schmerzen verursachen. Das Körperteil sollte daher möglichst ruhiggestellt werden. Mit einem geraden Stock oder Holzstück sollten die zwei benachbarten Gelenke (z.B. Hand- und Unterarmgelenk) mit einem Verbandpäckchen oder einer Mullbinde fixiert werden. Wir haben ein Dreiecktuch dabei – das “Schienen” bzw. Ruhigstellen ist damit auch wunderbar (v.a. Unter- und Oberarm/Schulterbereich) möglich.  Auf den Sam-Splint kann trotz der sicher praktischen Anwendung in der Notfallmedizin aus Platzgründen aber verzichtet werden.

2. Nützliches Zubehör

 

In die Reiseapotheke gehört neben dem Material zur Wundversorgung folgendes Equipment:

a) Kleiderschere

Zum unerlässlichen Zubehör gehört vorrangig eine (Kleider-) Schere. Eine kleine, einfache Schere im Taschenmesser ist bei wirklich wichtigen Schnitten (z.B. Hose) schnell überfordert. Sie gelangt daher schon an ihre Grenzen,wenn z.B. zur Notfallversorgung Kleidung aufgeschnitten werden muss. Auch Pflaster und Verbände können so ideal zugeschnitten werden. Die Schere sollte aus Hygienegründen auch möglichst sauber bleiben  – also bitte keine Milchtüten, Dosen, Blumen oder sonstiges damit abschneiden.

b) Pinzette

Eine Pinzette (z.B. zum Entfernen von kleinen Fremdkörpern) sollte auch in die Reiseapotheke. Wir haben eine im Taschenmesser, die genügt hinreichend. Eine spezielle Zeckenpinzette halten wir insgesamt für ein unnötiges Zubehör (dazu auch weiter unten).

c) Pflasterrolle

Für einen besonders guten Halt sorgen medizinische Pflasterrollen. Ob nun eine Kompresse, ein Verband oder andere Dinge damit fixiert werden müssen, die Pflasterrolle ist vielseitig einsetzbar und auf der Reise unverzichtbar. Wir haben immer Panzertape dabei, was wir auch zum Flicken benutzen (z.B. Zelt). Bei Verletzungen kann es zum Abkleben einer sterilen Oberfläche prima benutzt werden – aber nie auf die “nackte” Haut kleben!

d) Handy

Besonders zum Absetzen eines Notrufs ist ein Handy besonders wichtig. Mittlerweile sind diese Teile so klein und flach, dass sie ohnehin nicht mehr aus der Tasche wegzudenken sind. Die internationale Rufnummer für Rettungsdienste, Notstützpunkte (Flug- und Bergrettung) und Feuerwehr lautet übrigens 112. Dies gilt auch für Deutschland. Wichtig zu wissen: Es kann auch sehr gut in einem abgelegenen Gebiet ein Notruf abgesetzt werden! Der Netzempfang des Mobilfunkanbieters ist nicht ausschlaggebend. Der Notruf kann auch über spezielle Sendemasten erfolgen. Um einen Notruf abzusetzen muss zudem keine PIN eingeben werden. Einfach Handy einschalten und bei PIN die “112″ eintippen und wählen.

e) Zubehör zum Entkeimen von Wasser

Wer gut und gerne wandert, legt schon mal Wege im zweistelligen Kilometerbereich zurück. Abhängig von der Temperatur und unseres gesundheitlichen Zustandes verbrauchen wir sehr viel Flüssigkeit über den Tag hinweg. Deshalb ist es sehr wichtig, diesen Verlust wieder durch Trinken auszugleichen. Was nun zu idealen Reisegetränken gehört soll an dieser Stelle nicht breitgetreten werden. Wir halten spezielle Präparate für überteuert und überflüssig. Wie man den Körper ideal mit Mineralien versorgt erläutern wir weiter unten. Sicherlich sind isotonische Getränke optimal, aber den Rucksack mit solchen vollzustopfen ist eher keine gute Idee, weil man diese ja auch die ganze Zeit mit sich rumschleppen müsste. In den meisten Fällen wird man sich daher auf „herkömmliches“ Wasser beschränken müssen.

Auf all unseren Wanderreisen hatten wir bisher noch keine gesundheitlichen Probleme durch Trinken von Flusswasser. Es ist uns jedoch bewusst, dass in sehr vielen Gewässern meist Verunreinigungen und Keime vorzufinden sind. Auch wenn das Wasser sehr gut schmeckt und sehr klar aussieht können sich darin viele Bakterien tummeln. Hier muss man nur einmal an die ganzen Tierchen in der Wildnis denken, die im Wasser oder direkt daneben ihre Notdurft verrichten. Deswegen hier eine kurze Anleitung und ein paar Möglichkeiten, wie Wasser weitgehend entkeimt werden kann:

aa) Abkochen

Einfach das Wasser abkochen, das vernichtet die meisten Bakterien.

bb) Tabletten

Es gibt spezielle Tabletten (Chlor, Silbernitrat) zum Entkeimen. Diese wirft man einfach in die Flasche und wartet eine gewisse Zeit (30 – 60 Min.) bis das Wunder vollbracht ist.

cc) Wasserfilter

Eine sicher sinnvolle Art der Entkeimung erfolgt mit einem speziellen Filter. Dieser Wasserfilter funktioniert meist mit einem Aktivkohlefilter.

dd) PET &  Sonne

Etwas ungewöhnlich ist die PET & Sonne Alternative. Wir empfehlen Sie nicht, aber es ist dennoch interessant, dass es sie gibt. Einfach Wasser in eine PET-Flasche abfüllen und ca. fünf Stunden in die Sonne stellen. In der Flasche befindliches, verkeimtes Wasser wird durch die Sonneneinstrahlung mit Ultraviolett-Strahlen behandelt und einer hohen Temperatur ausgesetzt. Die UV-Strahlen zerstören die Zellen der Krankheitserreger. Forscher haben herausgefunden, dass durch diese Methode die Anzahl der Bakterien und Viren um das tausendfache reduziert werden kann. Zur Anwendung kommt diese außergewöhnliche Methode vor allem in Dritten Welt Ländern. Auf die Sonne ist in unseren Gegenden aber nicht wirklich verlass. Aber eine schöne Alternative ist es dennoch.

f) Blasenpflaster

Sitzt man in unbequemen, vielleicht noch neuen Schuhen, so ist es manchmal möglich, dass sich bei einer längeren Wanderung Blasen auf den Füßen bilden. Diese können sehr schmerzhaft sein. Grundsätzlich sollten diese nicht selbst verarztet werden. In der Wildnis lässt sich dies aber nicht vermeiden. Wir haben mit Compeed Blasenpflastern sehr gute Erfahrungen gemacht. Einfach draufkleben – Füße schonen und die Blasen sind vielleicht schnell weg. Und wenn nicht, dann lindert das Pflaster zumindest den Schmerz beim Weiterlaufen.

Zum Thema Füße noch folgende Anmerkung: Gegen Schweißgeruch ist ein Fußbalsam oder ein Fußspray sehr wirkungsvoll. Ob man dies in die Apotheke aufnehmen möchten, überlassen wir den eigenen Bedürfnissen. Gegen den unangenehmen Geruch hilft auch das Tragen von Socken aus Merinowolle. Generell riecht Kleidung aus Merinowolle im Vergleich zu anderen Textilien nicht so stark bis gar nicht.

3. Medikamente, ihr Nutzen und wichtige Nebenwirkungen

 

Bewährte Medikamente sollten in ausreichender Zahl vorhanden sein

Eine Wanderung ohne Medikamente ist für uns unvorstellbar, selbst wenn es nur eine schlichte Schmerztablette wie Aspirin ist. Wir empfehlen daher eine knapp ausgewählte Medikamentenapotheke. Erstellt werden sollte zunächst eine Medikamentenliste von den Medikamenten, die aufgrund von Vorerkrankungen regelmäßig eingenohmen werden müssen. Im Notfall kann sich das Rettungspersonal so schnell einen Überblick der Medikation und den evtl. damit verbundenen Vorerkrankungen machen. Dazu gehören auch weitere Nachweise (z.B. Allergien, Blutgruppe, Kontaktpersonen, Marcumar-Ausweis, Versichertenkarte usw.).

Das Verfallsdatum der Medikamente überprüfen! Dieses findet man oftmals in Form einer „Sanduhr“ auf der Schachtel oder dem Medikament selbst. Das Verfallsdatum gilt grundsätzlich für ungeöffnete Medikamente.

Wir raten davon ab, Medikamente, auch wenn sie möglicherweise im Ausland günstiger sind, dort auch einzukaufen. Es sollten nur Medikamente mitgenommen werden, die sich bewährt haben und die individuell gut vertragen werden. Im Ausland kursieren oftmals gefälschte Präparate, die lebensbedrohende Nebenwirkungen aufweisen können. Von daher Finger weg von Billigpräparaten aus dem Ausland! Wichtig ist auch auf die Temperatur der Medikamente. Wir empfehlen hier zwar keine kühlpflichtigen Medikamente, es könnte jedoch vorkommen, dass Medikamente mitgenommen werden müssen, die kühl gelagert werden müssen. In der Regel reicht es aber aus, wenn darauf geachtet wird, dass die Medikamente nicht direkter Sonneinstrahlung ausgesetzt werden, weil sie sonst ihre Wirkung verlieren könnten. Es sollten nur Medikamente eingenommen werden, die original verpackt sind und damit auch zugeordnet werden können. Lose, im Rucksack verlorene Tabletten sofort wegwerfen.

a) Die persönliche medikamentöse Grundausstattung

Wie schon erläutert, sollten alle notwendigen, auf die eigene Bedürfnisse ausgerichtete Tabletten mitgenommen werden. Etwaige platzraubende Schachteln müssen nicht unbedingt mitgeführt werden, wenn ein Ausschnitt aus dem Beipackzettel mitgeführt wird und die Medikamente eindeutig zugeordnet werden können, weil sie beispielsweise in einer separaten Tüte mitgeführt werden. Die regelmäßige Einnahme sollte man selbst oder der/die Gefährte/n stets kontrollieren.

b) Zusätzliche Medikamente

Neben den persönlichen Medikamenten empfehlen wir für häufig vorliegende Situationen die folgenden Präparate: Eine übersichtliche Liste mit allen Medikamenten ist hier abgebildet:

aa) Übelkeit und Erbrechen

Gegen Übelkeit und Erbrechen wirkt MCP (Metoclopramid) sehr gut, ist jedoch verschreibungspflichtig. Es taucht mit verschiedenen Handelsnamen auf (z.B. Paspertin), hat jedoch den gleichen o.g. Wirkstoff. Dieses Präparat wird zudem in der Notfallmedizin verwendet und hat sich dort bewährt.

bb) Durchfall

Die Ursache von Durchfall kann vielfältig sein. Da der Körper beim Durchfall viel Flüssigkeit verliert ist es wichtig, dass diese wieder zugeführt wird. Liegt die Vermutung nahe, die Ursache liege in verkeimten Wasser, so ist eine Entkeimung unabwendbar (siehe oben). Die Grundsätze der Nahrungsmittelhygiene sollten beachtet werden. Dazu gehört nicht nur die Haltbarkeit der Nahrung sondern auch die persönliche Hygiene. Das Reinigen der Hände mit Wasser und einer speziellen biologisch abbaubaren Seife, um Bakterien nicht in den Körper gelangen zu lassen, ist wie im alltäglichen Leben zu Hause auch auf Wanderreisen wichtig.

Eine wichtige Maßnahme bei Durchfall ist der Ersatz von Wasser und Salzen, die der Körper verloren hat, beispielsweise mit einem Elektrolytpulver. Bei akutem Durchfall sollte daher ein halber Liter abgekochtes Wasser und ein darin gelöster halber Teelöffel Salz und fünf Teelöffel Traubenzucker eingenommen werden – und davon am Besten drei Liter am Tag trinken. Übrigens: Das alte Rezept Cola und Salzstangen ist ungeeignet und kann den Durchfall sogar verschlimmern. Als medikamentöse Hilfe empfehlen wir Loperamid oder Imodium akut (Wirkstoff Loperamid), weil es schnell wirkt und den Kreislauf kurzzeitig stabilisert. Der Durchfall lässt sich mit diesen Mittelchen nur kurzfristig, jedoch nicht gänzlich bekämpfen. Daneben gibt es noch die altbewährten Kohletabletten, die auch nützlich sein können. Da wir aber vom „worth case“ ausgehen, sollte auf Loperamid nicht verzichtet werden.

cc) Verstopfung

Gelegentlich kommt es auch zu einer Verstopfung. Auch hier auf genügend Flüssigkeit achten. Ballaststoffreiches Essen wie Obst (hier z.B. Tüten mit getrocknetem Obst wie Pflaumen, Aprikosen usw…) sowie spezielles Brot können hier auf Dauer Abhilfe schaffen.

dd) Allergien

Sind Allergiker unterwegs so ist es überlebenswichtig, das zuvor zusammengestellte Allergiker-Kit mitzunehmen. Gegen Juckreiz helfen Salben – Antihistaminika w.z.B. das Fenistil Gel zum Auftragen auf die Haut, das überdies eine kühlende Wirkung erzielt.

ee) Halsschmerzen

Bei Halsentzündungen können Medikamente mit desinfizierender Wirkung Linderung bringen. Oft ist in diesen Medikamenten noch zusätzlich ein schmerzstillender Wirkstoff enthalten. Bei starken Schmerzen und Fieber sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden.

ff) Augenbeschwerden

Staub, Wind oder Licht verursachen auf Reisen häufig Bindehautentzündungen. Eine Sonnenbrille sollte deshalb auf alle Fälle im Gepäck. Lindernd wirken abschwellende Augentropfen. Auch so genannte künstliche Tränen helfen bei leichter Reizung und Augentrockenheit. Ist die Augenreizung allergisch bedingt, helfen antiallergische Augentropfen.

gg) Schutz vor UV-Strahlung

Je nachdem in welches Reiseland man geht wird die Wichtigkeit eines Sonnenschutz höher oder niedriger. Gerade in höheren Lagen kann das Wetter ständig wechseln und die Sonnenstrahlen im Gebirge eine stärkere Wirkung haben als auf flachem Festland. Das gleiche gilt durch die Abstrahlung im Wasser. Von daher sollte immer ein Sonnenschutz (Schutzstärke je nach Hauttyp und Reiseziel) mitgeführt werden. Damit vermeidet man nicht nur einen lästigen Sonnenbrand, man beugt gleichzeitig auch möglichen Langzeitfolgen wie z.B. Hautkrebs vor. Bei leichten Verbrennungen helfen gelegentlich Après-Cremes oder auch Fenistil am besten als kühlendes Gel.

hh) Insektenschutz

Ein guter Schutz vor Mückenstichen ist in Gebieten wichtig, in denen z.B. Malaria, Gelbfieber, Dengue-Fieber oder die japanische Enzephalitis verbreitet sind. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird der Wirkstoff Bayrepel® empfohlen. Er ist in Deutschland in dem Präparat Autan® enthalten. Mittel auf der Basis ätherischer Öle wie Teebaumöl, Zitronenöl oder Kokosöl haben eine schwächere und kürzere Wirkung und sind daher in solchen Risikogebieten nicht zu empfehlen. Wer schon einmal mit der Mückenplage in Skandinavien zu kämpfen hatte, weiß, dass die Biester gegen Autan resistent sind. Hier empfehlen wir das Präparat OFF!, dass man dort vor Ort kaufen kann. Gegen die Moskitos bot dies den besten Schutz. Eine Zeckenzange würden wir nicht zur Reiseapotheke hinzufügen. Hier tut es auch eine einfache Pinzette (w.z.B im Taschenmesser). Beim Entfernen einer Zecke ist aber Vorsicht geboten. Die Methode der Entfernung wird an anderen Stellen im Internet sehr gut in Videos beschrieben. Eine Zeckenimpfung (FSME-Impfung) kann im Vorfeld wichtig sein. Ein Zeckenstich kann im äußersten Fall zu einer Hirnhautentzündung führen. Gerade in den südlichen Gebieten Deutschlands (z.B. Schwarzwald, Odenwald, Pfalz) ist eine Zeckenimpfung sehr wichtig.

ii) Schmerzmittel

Schmerzmittel zur Analgesie sind mittlerweile auch für uns unverzichtbar geworden. Ob man sich nun mit Kopfschmerzen herumplagt oder starken Zahnschmerzen – die Ursachen können unterschiedlicher Natur sein. Deswegen ist auch die Anwendung eines einzigen Medikamentes nicht immer sinnvoll und indiziert. Das Allerheilmittel Aspirin (auch ASS) ist allen bekannt. Es weist schöne Vorteile bei den Einsatzmöglichkeiten auf. Es wirkt nicht nur schmerzlindernd sondern senkt auch das Fieber und hemmt Entzündungen. Zudem ist es nicht verschreibungspflichtig. Ein Muss für die Reiseapotheke – am besten in Form des seit kurzem erhältlichen Aspirin Pulvers (Granulat), das man einfach auf die Zunge aufträgt.

Die Einnahme von Paracetamol sollte nicht unbedacht erfolgen. Wird innerhalb kurzer Zeit zu viel davon eingenommen, droht eine Schädigung der Leber. Von daher sollte hier die Packungsbeilage am besten mitgenommen werden. Als weiterer, stärkerer Wirkstoff kommt Ibuprofen in Frage. Es wirkt stärker als die o.g. Präparate und wird von Patienten meist gut vertragen.Grundsätzlich sind Schmerzmittel für die vorübergehende Schmerzlinderung vorgesehen. Eine längere oder überdosierte Einnahme hat eine Schädigung von Organen (v.a. Nieren und Leber, auch Magenschleimhaut wird gereizt) zur Folge. Wenn die Schmerzen nicht nachlassen einen Arzt aufsuchen.

c) Elektrolyte / Vitamine zur Stärkung

Zu unserer Reiseapotheke gehören ohne Ausnahme auch Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel. Erfahrungsgemäß kann der Bedarf an notwendigen Vitaminen und Mineralien auf Trekkingreisen nicht ausreichend gedeckt werden, weil die Nahrungseinnahme meist monoton und weniger abwechslungsreich erscheint. Deswegen ist es umso wichtiger, den täglichen Bedarf an Vitaminen durch Pulverzusätze oder Vitamintabletten zu decken.

aa) Magnesium

Wer schon einmal Muskelkrämpfe (beim Wandern meist Waden, Oberschenkel) hatte, weiß, wie unangenehm das sein kann. Dem kann man ein wenig vorbeugen, indem man erstens viel trinkt (mindestens 2 Liter am Tag – darunter geht nichts!) und zweitens zusätzliche Magnesium Brausetabletten im Wasser löst oder Magnesium-Tabletten zu sich nimmt. Dies sollte nach Beanspruchung einmal täglich durchgeführt werden. Die Tageszeit ist egal – wichtig ist, dass überhaupt daran gedacht wird.

bb) Vitamine

Ergänzend zur Nahrung können Vitaminpräparate in Form von Nahrungsergänzungsmitteln Unregelmäßigkeiten ausgleichen. Empfehlenswert sind Dragees von Multivitamin Lichtenstein aktiv. 1-2 Dragees  können davon täglich eingenommen werden. Auf irgendwelche teuren “Vitamingelees” kann wirklich verzichtet werden. Sie sind nicht nur teuer sondern schmecken auch scheußlich. Eine ausgewogene Ernährung sollte auch beim Wandern nicht vergessen werden.Da wir uns aber nicht daran halten und Gemüse nur sehr selten auf der Speisekarte steht müssen wir uns nunmal mit ergänzenden Präparaten weiterhelfen.

cc) Häufige Folge einer Elektrolytverschiebung

Auf Touren verliert man viel Flüssigkeit - viel Wasser trinken!
Viel Wasser trinken!

Was passiert wenn der Körper viel Wasser und damit auch wichtige Mineralien (Elektrolyte) verliert? Folge einer Elektrolytverschiebung ist oftmals der im Volksmund bekannte „Kreislaufkollaps“. Symptome hierfür sind Schwarzsehen, Schweißausbruch und allgemeine Schwäche, weiche Knie. Wird eine solche Symptomatik bei sich selbst oder den Mitreisenden beobachtet, ist vowiegend die Schocklage “die richtige Methode”, dem Herzen wieder genügend Blut zuzuführen. Dazu müsste sich der Betroffene hinlegen und die Beine nach oben gehalten werden, ggf. kann ein Mitreisender durch Halten beider Beine nach oben auch helfen. Hat der Vorfall keine tiefgründigen Ursachen, wird man mit viel Trinken wieder schnell auf die Beine kommen.

Wir empfehlen jedoch unbedingt ärztliche Hilfe herbeizurufen. Denn die oben beschriebene Schwäche ist eine Warnung des Körpers. Dieses Zeichen sollte ernst genommen werden – eine Stufe zurückschalten ist angesagt, damit sich der Zustand und vor allem der Kreislauf wieder stabilisiert. Als Laie kann man auch nicht wirklich beurteilen, ob es sich um einen klassischen “Kreislaufkollaps” handelt. Dieser kann nämlich viele Ursachen haben. Er könnte Folge von anderen Notfallbildern sein (z.B. auch Herzinfarkt!). Eine Hochlagerung der Beine im Glauben es handele sich um einen bloßen Kreislaufkollaps könnte hier mehr Schaden anrichten. Entgegen der obigen Ausführungen wird in der heutigen Erste-Hilfe-Ausbildung bei der o.g. Symptomatik nicht unbedingt die beschriebene Schocklage empfohlen. Grund hierfür ist, dass Symptome wie Schweißausbruch, Schwarzsehen, Blässe usw. auch bei anderen Notfällen im Kopf oder in der Brust auftreten können und die Schocklage diesen Zustand nicht unbedingt verbessern würde. Von daher wird empfohlen, den Betroffenen bei Auftreten der Symptome komplett flach zu lagern. Bei einer solchen Lagerung würde der Betroffene zwar langsamer zu sich kommen, andere Organe aber nicht durch eine mögliche Falschlagerung zusätzlich beeinträchtigt. Aufgrund der verschiedenen Schockarten, die für den Laien schwer erkennbar sind, schließen wir uns der derzeitigen Lehre an.

Auch hier wieder das Fazit: Der Besuch eines Erste Hilfe Kurses ist extrem wichtig: Hier lernt man die neuesten Richtlinien und Regeln für die Erste Hilfe kennen! Die Erste Hilfe wurde in vielen Punkten vereinfacht und effektiver gestaltet. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

4. Wärmeerhalt und Betreuung

 

Eine Wärmedecke dient der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur
Eine Wärmedecke dient der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur

Der Wärmeerhalt spielt eine große Rolle bei der Rettung und Ersten Hilfe. In der Regel hat man auf mehrtägigen Wanderungen einen Schlafsack dabei. Er eignet sich auch ideal für den Wärmeerhalt. Den Schlafsack des Partners am besten auch rausnehmen und das Unfallopfer gut damit einhüllen. Gegebenenfalls können vorher noch Jacken, Pullis usw. angezogen werden. Der Körper sollte im Idealfall keine Wärme verlieren. Eine Mütze kann auch aufgesetzt werden – über den Kopf verliert der Mensch sehr viel Wärme.

Bei einem Notfall ist es zudem wichtig, die betroffene Person zu betreuen und beruhigend auf sie einzuwirken. Das ist leichter gesagt als getan. Allein schon mit der Anwesenheit ist dem Patienten schon viel geholfen. Es gibt eine goldene Regel, wenn man zu zweit in den Bergen unterwegs ist: Lasse niemals deinen Partner zurück! Falls es doch mal notwendig wird, weil nur auf diesem Weg Hilfe herbeigeholt werden kann, so empfiehlt es sich alles mit dem Betroffenen abzuklären. Hilfreich kann z.B. die Festlegung eines festen Termins sein, wann der Helfer wieder zurückkehren oder sich telefonisch melden möchte, falls Netzempfang gegeben ist.

Das Unfallopfer benötigt Hilfestellungen, an die er sich klammern kann! Es ist genau abzusprechen, welche Schritte anstehen und was der Helfer als nächstes vornehmen möchte. Kommunikation hier das A & O. Der Hilfesuchende soll sich in guten Händen aufgehoben fühlen und wissen, dass man sich intensiv um ihn kümmert. Das gibt viel Kraft lange durchzuhalten. In einer größeren Gruppe kann man die Aufgaben sinnvoll verteilen. Ein oder zwei Leute holen Hilfe, weitere bauen evtl. das Zelt auf und andere kümmern sich wiederum um den Verletzten. Je weniger Menschen am Verletzten verweilen desto besser. Ein bis zwei Ansprechpartner sind okay. Wenn viele Leute auf den Verletzten einreden ist dies nicht gerade förderlich. Fremde Personen sollten vom Verletzten abgeschottet werden. Höflich aber bestimmt bitten, sich ein paar Meter zu entfernen sind sicherlich angebracht. Ansonsten von aussenstehenden Leuten und Gaffern nicht beeinflussen lassen, am Besten erst gar nicht auf blöde Bemerkungen eingehen.

5. Häufige Erkrankungen

 

Der Beitrag wird hier in Kürze fortgeführt.

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